Dr. Helmut Hiertz
Facharzt für Neurochirurgie
 

 

Wirbelsäulenchirurgie, Wirbelsäulentherapie,

konservative Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen

 
 
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    • Vorträge 2016     • Vorträge 2009-15


 

 

 

 

 

 

 

 

 





 

Der Aufbau der Wirbelsäule

Wir unterscheiden streng genommen 2 Organe:  I - Wirbelsäule und das darin verlaufende  II - Nervensystem. Die Besprechung erfolgt getrennt, aber in der klinischen Beurteilung müssen natürlich immer beide Organe beurteilt werden um einen konkreten Therapieplan  erstellen zu können .

I : Wirbelsäule  


Die Wirbelsäule ist mit Ausnahme vom 1. und 2. Halswirbel  im gesamten Bereich von der Hals- bis zu Lendenwirbelsäule gleich aufgebaut.
 
Wir unterscheiden die bewegliche Halswirbelsäule mit 7 Wirbel, die relativ unbewegliche Brustwirbelsäule mit 12 Wirbeln und die wiederum gut bewegliche Lendenwirbelsäule mit meist 5 Wirbeln.
Das Rückenmark reicht normalerweise bis zum 12.Brust/1. Lendenwirbel, weiter nach untern verlaufen nur mehr die einzelnen Nerven – eine Querschnittslähmung ist bei einem Befund der unteren Lendenwirbelsäule nicht möglich!
   
 Halswirbelsäule:
Der 1. Halswirbel ( Atlas) ist in gelenkiger Verbindung mit dem Kopf, besteht eigentlich nur aus den Wirbelbögen, nach unten Gelenk zum 2. Halswirbel (Axis). Am Hinterrand des vorderen Atlasbogens befindet sich der Fortsatz vom 2. Halswirbel (Dens) der mit Bändern in Stellung gehalten wird und vorwiegend die Bewegung und Rotation vom Kopf ermöglicht.   Nach unten besteht eine Bandscheibe vorne und hinten jeweil ein Gelenk zum 3. Halswirbel.
Ab dem 3. Halswirbel ist der Aufbau bis zum letzten Lendenwirbel gleich:

Vorne ist die Bandscheibe und der Wirbelkörper, nach hinten kommt der knöcherne Wirbelkanal, in dem das Rückenmark nach unten zieht. Wie am Bild zu sehen ist, braucht das Rückenmark nur einen Teil des Kanals, der Rest ist mit Schutzschichten – Rückenmarksflüssigkeit, Fettgewebe und Venenplexus – gefüllt. Unterhalb der Bandscheibe tritt jeweils  der Nerv aus der Wirbelsäule aus. Seitlich haben wir den Querfortsatz, in dem vom 1. bis zum 6. Halswirbel die hintere Halsschlagader ( A.vertebralis) verläuft. Nach hinten die Begrenzung mit dem hinteren Wirbelbogen und den Dornfortsatz, den man hinten durch die Haut tasten kann sowie das Wirbelgelenk zwischen den beiden Wirbeln.
Als Bewegungseinheit oder Wirbelsegment bezeichnet man die 2 benachbarten Wirbel, die dazwischen  liegend Bandscheibe und hinten das Wirbelgelenk, das das Ausmaß der Bewegung steuert.
 
 
Brustwirbelsäule: Aufbau völlig gleich wie vom 3. – bis 7 Halswirbel
  Vorne befinden sich die Wirbelkörper, dazwischen  die Bandscheiben, nach hinten der Wirbelkanal in dem das Rückenmark verläuft, seitlich die Zwischenwirbellöcher, wo jeweils der Nerv die Wirbelsäule verlässt, nach hinten und seitlich der Quer- und Dornfortsatz. Durch die knöcherne Verbindung mit dem Brustkorb relativ unbeweglich.
   
 Lendenwirbelsäule  

Die Lendenwirbelsäule hat deutlich größere Wirbelköper, da das Körpergewicht getragen werden muss. Der Aufbau wie in der Brustwirbelsäule, aber im Wirbelkanal verlaufen nur mehr die Nervenfasern, kein Rückenmark.

 

Die Bandscheiben sind natürlich auch wesentlich größer, als im Hals- Brustbereich.

 

 

Stabilität
Wichtig in der Beurteilung ist auch immer die Stabilität der Wirbelsäule. Dabei kann man die Wirbelsäule mit einem Kran vergleichen.
Die Kransäule entspricht den Wirbelkörpern und Bandscheiben. Durch diesen Bereich werden ca 80% der auf die Wirbelsäule  entstehenden Kräfte aufgenommen. Kommt es zur Schwächung der Wirbelkörper oder hohen Bandscheiben, kommt es zur Knickung vom Kran und der Wirbelsäule – es entsteht eine Knickbildung – Kyphose.
Wird der hintere Anteil vom Kran geschwächt – an der Wirbelsäule die Wirbelgelenke, Bänder und Muskulatur, dann wird die Zuggurtung gestört und das System verschiebt sich. An der Wirbelsäule kommt es zu Wirbelverschiebungen – Listhese, Skoliose.
   
Krümmungen  

Weiters hat die Wirbelsäule typische Krümmungen:
In der Hals – und Lendenwirbelsäule besteht eine Krümmung nach vorne – Lordose, in Brustwirbelsäule nach hinten – Kyphose.

 

Die Krümmungen sind entscheided für die harmonische Kraftübertragung in der Wirbelsäule, wenn diese Krümmungen stimmen liegt eine senkrechte Linie vom 7. Halswirbel nach unten über dem Kreuzbein, mindestens hinter den Hüftköpfen. Diese Krümmung ist von Geburt an konstant und wird über eine Winkelmessung vom Hüftkopf zum Kreuzbereich berechnet. Dabei haben wir 4 Gruppen – je größer der Winkel ist umso mehr Grade der Lordose benötigen wir.
 
Diese Grade zu kennen ist bedeutend um eine richtige OP-Planung zu ermöglichen. Wenn der Lordosegrad zu flach ist, versuchen wir über die Hüft- und Kniegelenke zu kompensieren, das verursacht neben Schmerzen auch eine Gangunsicherheit und ein zunehmend vorgebeugtes Gangbild. Bei einer Operation müssen dann die entsprechenden Korrekturen durchgeführt werden, um ein gutes Resultat zu erhalten.


   
   
   
II.Nervensystem Hals-/Brustwirbelsäule  
Im Bereich der Hals – und der Brustwirbelsäule verläuft im Wirbelkanal das Rückenmark. Das Rückenmark muss, da es das empfindlichste Organ ist, stark gegen Gewalteinwirkungen geschützt werden. Dies geschieht einerseits durch den knöchernen Wirbelkanal innerhalb der Wirbelsäule, andererseits durch die Liquorflüssigkeit um das Rückenmark innerhalb der Hülle und außen zum Knochen durch Fettgewebe und den Venenplexus..

 

Das ist auch der Grund, dass das Rückenmark als Organ nur einen Teil vom Wirbelkanal ausfüllt, der Rest für die Sicherungsräume vorhanden ist. Seitlich tritt jeweils der Nerv aus der Wirbelsäule, der einerseits zum entsprechenden Muskel zieht (Ausfall führt zur Muskellähmung), andererseits die Informationen von der Peripherie zum Nervensystem leitet. ( Ausfall führt zu Gefühlsstörung)

 

Jeder Nerv hat ein typisches Ausbreitungsgebiet an der Haut und Muskelgruppen, die versorgt werden. Dadurch kann man nach genauer Untersuchung aufgrund der Schmerzausstrahlung und Ausfällen ( sensibel- Gefühlsstörung oder motorisch-Kraftminderung) klar feststellen, welche Höhe der Wirbelsäule eine Schädigung hat.
Bei Problemen am Rückenmark kann zunächst eine diskrete Symptomatik mit Koordinationsstörungen Arme und Beine, Gefühlsstörungen und das Gefühl „wie auf Watte zu gehen „ vorliegen, in weiterer Folge kann es zur Querschnittslähmung kommen. Die Ausprägung ist unterschiedlich stark, von der Höhe der Schädigung hängen auch die Ausfälle ab, bis zum hohen Querschnitt mit Lähmung der Arme/Beine- und der Atmung.
Jede Druckwirkung kann akut zu diesen Problemen führen, es kann aber auch chronisch durch den Druck am Organ, die resultierenden Durchblutungsstörungen und die Fixierung vom Myelon zur Organschädigung kommen – es entstehen Narben im Organ, die wir Myelopathie nennen.

 

 

II. Nervensystem – Lendenwirbelsäule  
In der Lendenwirbelsäule verlaufen nur mehr die nach unten ziehenden Nervenfasern, das Rückenmark hört ca in Höhe des 12.Brust-/1. Lendenwirbel auf  (variabel).

Im Wirbelkanal laufen nur mehr die einzelnen Nervenfasern ( Caudafasern).
Jeder Nerv hat ein zugehöriges Ausbreitungsgebiet – von der Schmerzausstrahlung über Gefühlsstörungen bis zum motorischen Ausfall ( Lähmung). Die zentral laufenden Nerven versorgen die Blase-/Darm- und Sexualorgane. Bei einem Ausfall kann es zu einer Teillähmung im Bein, im Extremfall auch zu einer Lähmung der Blasen- Darmfunktion und Impotenz kommen. Eine Querschnittslähmung ist  im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule nicht möglich!